Wer gewann den Kampf gegen die Windmühlen?

„Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“. Dieses Sprichwort bedeutet, das etwas erfolglos, dumm und grundsätzlich zum Scheitern verurteilt ist. Wer es sagt hat resigniert. Was gäbe es auch absurderes als gegen Windmühlen zu kämpfen? Nicht so in der Geschichte, der wir das Sprichwort verdanken, denn hier wird das Absurde zur Norm. Und sie hat außerdem eine der berühmtesten Fantasiegestalten der Welt geschaffen.

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Die Rede ist natürlich von den Abenteuern des Don Quijote, eines alten, verarmten Landbesitzers, der so viel über Ritter liest, bis er beschließt, sich selbst wie einer zu benehmen. Auf einem alten Gaul reitend, mit selbstgebauter Rüstung und Helm auf dem Kopf und immer bereit, mit allem zu kämpfen, was sich ihm in den Weg stellt, zieht er durch Spanien. Wer heute genug Ausdauer hat, sich durch die vielen hundert Seiten zu arbeiten, die die Abenteuer dieses Wirrkopfs umfassen, kann nur staunen: Wie um alles in der Welt ist diese traurige, oft lächerliche Gestalt zu einer der bekanntesten überhaupt geworden?

Ein unbeirrbarer Antiheld

So nehmen viele seiner Abenteuer oft kein „ritterliches“ Ende. Meistens findet sich der Möchtegern-Ritter am Boden und recht mitgenommen wieder, da seine Fantasie wieder einmal Streit ausgelöst hat. Ob nun Windmühlen auftauchen, die dem wirren Ritter als Riesen erscheinen oder er Schafherden bekämpft deren besoffene Hirten dann abgewehrt werden müssen: von niemandem lässt sich Quijote aufhalten. In der Beharrlichkeit, mit der er seiner Vision folgt, ist er zu einer Art Symbolcharakter geworden, der zu sagen scheint: lasse dich nicht beirren und folge deinem Ziel-wenn’s sein muss, dann mit eigenen Regeln.

Außerdem trug der Einfallsreichtum des Autors, Miguel Cervantes, dazu bei. Reichlich Raum für Nebenereignisse, während die Erzählung von Abenteuer zu Abenteuer schweift, machen es für den modernen Leser zwar oft schwer, ihr zu folgen-doch dadurch wird sie zu modernen Roman.

Tatsächlich hat der Autor dabei Stilmittel erfunden, die in keinem modernen Roman fehlen. So wird die Geschichte am Ende auch eine clevere Erzählung über das Erzählen selbst: da der erste Teil so erfolgreich war, schrieb Cervantes 1615 einen zweiten. Hier kommen Personen vor, die Don Quijote aus der Geschichte kennen. Und auch der Autor selbst gibt vor, die Erzählung aus alten Dokumenten übersetzt zu haben. So nimmt die Fiktion auf sich selbst Bezug-diese „Intertextualität“ sorgt dafür, dass das Buch als erster moderner Roman gilt.

EnDe intext2Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ und sein Schöpfer sind auch zu Botschaftern Spaniens geworden. Da der Autor cleverer Weise einige vage Ortsangaben machte, gibt es mittlerweile unzählige Routen in der Region Mancha, die auf den berühmten Ritter Bezug nehmen. Das spanische Kulturinstitut heißt Centro Cervantes. Und die beiden Gestalten Quijote und Sancho sind in aller Welt bekannt. Da ist es doch am Ende egal, ob der Kampf gegen Windmühlen verloren wurde, oder?!

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