Die 3 häufigsten Klischees über „Multikulti-Kinder“

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Wer selbst aus seiner Familie kommt, in der ein Elternteil aus einem anderen Land stammt als der andere, kennt diese Klischees sicherlich. Vermutlich war er oder sie selbst einmal in einer Situation, in der er/sie gemerkt hat, dass Andere von bestimmten Dingen ausgehen – einfach nur, weil du doch ein „Multikulti-Kind“ bist.

Hier sind 3 Klischees, die man als „Multikulti-Kind“ hört – und die Wahrheit dahinter:

1 – „… du kannst also beide Sprachen perfekt sprechen!“

Das kann sein, es ist aber in der Tat eher unwahrscheinlich, dass ein Kind die Sprachen beider Elternteile gleichermaßen gut beherrscht. Das liegt bspw. daran, dass die Familie vermutlich nur in einem der beiden Länder lebt. Selbst wenn der Elternteil mit der ‚Zweitsprache‘ ausschließlich diese mit dem Kind spricht, wird das Kind die Sprache des Landes, in dem es lebt, sicherlich besser lernen. Dieser ist es wesentlich stärker ausgesetzt – im Alltag in der Schule, mit Freunden, usw.

Zweifellos ist es möglich, beide Sprachen sehr gut zu beherrschen – das ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Wie bei jeder anderen Art des Sprachenlernens gilt auch hier die Regel, dass  man eine Sprache besser lernt, je mehr man ihr ausgesetzt ist und sich mit ihr beschäftigt.

2 – „… du bist also in beiden Ländern zuhause!“

Sofern der- oder diejenige nicht mehrere Jahre in beiden Ländern gelebt hat, trifft das nur begrenzt zu. Nur davon, dass man einmal im Jahr die Familie in dem Land besucht, in dem man sonst nicht wohnt, ist man dort noch nicht richtig zuhause. Ein richtiger Alltag mit Schule oder Beruf, eine Routine und Assimilation in die Kultur ist nicht gegeben – und somit lässt sich dort auch kaum ein vergleichbares soziales Netzwerk wie im ‚Erstland‘ aufbauen.

Dabei ist es nicht so, dass man sich im ‚Zweitland‘ nicht zuhause fühlt. Aber es gibt verschiedene Arten, sich zuhause zu fühlen. Wer bspw. Großeltern in einer anderen Stadt hat, kennt das: Dort anzukommen fühlt sich immer auch irgendwie an, wie nach Hause zu kommen. Man fühlt sich wohl und freut sich, da zu sein. Aber es ist etwas ganz anderes, als tatsächlich an dem Ort zu sein, an dem sich das eigene Leben täglich abspielt, oder?

3 – „… du kennst [Land X] also in- und auswendig! Wie findest du [Stadt Y]?“

Es ist wahrscheinlich, dass man sein ‚Zweitland‘ einigermaßen gut kennt, zumindest die wichtigsten Städte und Sehenswürdigkeiten gesehen hat und auch sonst einiges über das Land weiß. Gleichzeitig ist nicht zu unterschätzen, dass viele Multikulti-Familien bei Ihrem jährlichen Besuch des Landes immer nach der gleichen Routine vorgehen. Wenn dann auch noch Zeit und Budget knapp sind, werden oft nur die Hauptpunkte der Liste abgearbeitet und alles Andere bleibt außen vor: Ein paar Tage bei den Großeltern, dann ein Besuch bei Tante X, vielleicht ein paar Tage am Strand oder in den Bergen (je nach Land), und noch ein Abstecher in die Hauptstadt – schon ist die Ferienzeit vorüber, ohne dass man sich je die Stadt Y oder die Region Z angesehen hätte, nach denen man im ‚Erstland‘ gefragt wird. Und das jedes Mal.

Wie ihr seht, gilt generell, dass diese Klischees an sich nie ganz falsch sind. Meistens genügt es schon, seine Vermutungen eine Stufe niedriger anzusetzen, um der Realität näher zu kommen. Außerdem gibt es natürlich auch tatsächlich Menschen, auf die die Klischees sogar in ihrer extremen Form zutreffen – irgendwo mussten sie ja herkommen 😉

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