Robin Hood und die Piraten

Mit dem Siegeszug des Internets und Videoportalen wie Youtube sind auch Urheberrechtsverletzungen in Rekordhöhen geschossen. Manchmal sind sich jene, die Daten oder Videos austauschen, gar nicht bewusst, dass sie straffällig werden. Ein Geburtstagsvideo mit den Hits des Jahres interessiert keinen Gesetzeshüter, wenn es im Wohnzimmerregal einstaubt. Sobald es aber hochgeladen wird, handelt es sich streng genommen um einen Verstoß gegen das Gesetz. Was nun, wenn jemand anderes das Video hoch lädt? Ist der Filmemacher noch dafür verantwortlich? Dieses einfache Beispiel macht deutlich wie schwierig es manchmal ist, in der Online-Welt legal und illegal klar zu definieren und wie Verstöße im Bereich Cyber-Crime geahndet werden sollen.

Eine etwas philosophischere Frage, die oft von solchen gestellt wird, die ab und an das Copyright verletzten, wenn sie online einen Film anschauen oder einen Song herunterladen, lautet: Soll ich Mitleid mit den Film- und Software-Giganten haben, die es fast unmöglich für Normalsterbliche machen, ihre Produkte zu erwerben? Musiklabels und Filmstudios argumentieren, dass letzten Endes doch die Konsumenten den Kürzeren zögen, da die Industrie mit Preiserhöhungen auf die Produktpiraterie reagiert. Daneben könnten junge Nachwuchskünstler nicht mehr von den Großen gefördert werden, wodurch die Vielfalt von Filmen und Musik verringert würde. Fast wie selbstverständlich folgt die Entgegnung, dass ein Großteil des Geldes sowieso in neuen Villen von übergewichtigen Platten- und Studiobossen landen würde und Newcomer in jedem Fall ausgebeutet würden. Dieser Streit kann hier nicht geschlichtet werden, aber zeigt den interessanten Scheinkonflikt zwischen selbsternannten Robin Hoods, die illegale Downloads ermöglichen, und großen bösen Mediengiganten, die in Geld schwimmen und die Welt ausbeuten.

In letzter Zeit sind Millionen von Bildschirmen in China schwarz geworden, da Microsoft versucht hat, ein Zeichen gegen Produktpiraterie zu setzen. Als Ergebnis sind die Verkaufszahlen der Originalprodukte von Microsoft deutlich gestiegen. Einem Gerücht zufolge soll Bill Gates gesagt haben, dass China illegale Produkte benutzen könne, solange sie von Microsoft kopiert wären. Die Idee dabei ist, dass China auf diese Weise auf Originale zurückgreifen würde, sobald es sich diese leisten kann. Vielleicht kämpfen der kleine Mann und die großen Bosse auf derselben Seite! Macht nicht jede gefälschte Louis Vuitton-Tasche auch gleichzeitig Werbung für das Originalprodukt? Eine viel faszinierendere Frage: Wenn ich mich selbst kopiere und nachher erfahre, dass ich schizophren bin, sollte ich mich schuldig fühlen? Und welcher von uns beiden sollte sich der Polizei stellen?

References:
http://www.zoll.de/english_version/d0_protection_property/a0_trademark/index.html
http://www.copyrightaware.co.uk

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