Schuldenberge bis zum Himmel

Es gibt folgende Geschichte, die sich mit dem unterschiedlichen Konsumverhalten der Chinesen und Amerikaner beschäftigt: Eine ältere Dame aus China und eine betagte Dame aus den Vereinigten Staaten treffen sich im Himmel. Die Amerikanerin sagt: „Ich habe mir 30 Jahre lang den Buckel krumm geschuftet, um endlich den Kredit für das Haus abzuzahlen. Die Chinesin erwidert: „Ich habe 30 Jahre malocht, um endlich genug Geld für den Hauskauf zu haben.“ Die amerikanische Dame hat dreißig Jahre in ihrem Haus gewohnt, die letzte Hälfte ihres Lebens hindurch hat sie den Kredit zurückgezahlt. Die Dame aus China hingegen hat den letzten Teil ihres Lebens durchweg Geld angespart. Als gerade genug für ein neues Haus da war, ist sie gestorben – ohne wirklich in den Genuss eines eigenen Hauses zu kommen.

Der Erzähler möchte durch diese Geschichte deutlich machen, dass die Konsumgewohnheit der Amerikaner, Kredite aufzunehmen, fortschrittlicher sei, da es somit möglich ist, früher ein angenehmes Leben zu führen, wohingegen die Chinesen an Konsum durch Ersparnis gewöhnt sind. Obwohl man ein Leben lang geschuftet hat, kann man die Früchte der eigenen Arbeit nicht mehr ernten.

Aber man sollte wohl erst den nächsten Teil der Geschichte lesen:

Nachdem die amerikanische Dame in den Himmel gekommen ist, sagt ihre Tochter: „Gerade habe ich das Begräbnis meiner Mutter geregelt, da müssen wir schon wieder los, um einen Kredit für ein Haus aufzunehmen.“ Die Tochter der chinesischen Dame im Himmel bemerkt: „Mutter ist wirklich toll, hat ihr Leben lang gearbeitet und uns ein Haus hinterlassen. Wir müssen auch fleißig sein, um für die Kinder ein Haus zu kaufen. Die amerikanische Tochter lebt selbst in einem neuen Haus auf Kredit, wohingegen die chinesische Tochter im Haus der Mutter wohnt, die das nicht mehr konnte.

Man kann vom Konsumverhalten der Amerikaner und Chinesen auf die damit verbundenen Unterschiede in der Familienmoral und dem gesellschaftlichen Wertesystem schließen. Die amerikanische Dame lebt auf Pump im eigenen Haus, genießt das Leben, die chinesische Dame lebt ebenso im eigenen Haus, aber sie hat es von der Mutter geerbt.
Es scheint so, dass dies der Grund ist, warum die Amerikaner vor dem Essen beten: „Danke Herr, dass du mir Kleidung und Speisen gibst.“ Die Chinesen zünden hier traditionell vor dem Ahnenschrein eine Kerze an, verbrennen ein paar Geldscheine und opfern einige heiße Speisen. Für Chinesen gilt, dass die Ahnen durch Fleiß den Nachkommen Glück bringen und ihnen tatsächlich noch mehr Huldigung als Gott zukommt.

Die Chinesen werden angesichts der jüngsten Finanzkrise weiterhin bereit sein, den Kindern durch harte Arbeit die eigenen vier Wände zu hinterlassen und nicht die Hälfte des Lebens im Schatten der Schuldenlast verbringen wollen.

(aus dem Chinesischen)

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1 thought on “Schuldenberge bis zum Himmel”

  1. Die Geschichte bringt einen zum nachdenken. Auch Spiegel Online hat das Thema behandelt und kam zu den Ergebnis, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen senkt, jedoch die der Privatinsolvenzen steigt. Die meisten Schüldner sind sich der Konsequenzen nicht bewusst und nehmen mit blindem Vertrauen KreditE auf, die sie dann nur schwer, oder sogar gar nicht abzahlen können. Es wäre schön, wenn die Banken diese Geschichte jedem Klienten vor der Kreditaufnahme erzählen würden, sowas passiert aber nur in Hollywood…

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