Wahre Helden

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Es ist nicht einfach, ein echter Superheld zu sein. Aber bevor man jemanden auswählen kann, der über allen steht und es verdient hat von den Massen angehimmelt zu werden, muss man definieren, was eine Heldin oder ein Held überhaupt ist. Soweit ich mich entsinnen kann, war der letzte Held in Deutschland Matthias Steiner, Gewichtheber und Gewinner olympischen Goldes, der bei der Siegerehrung ein Foto seiner verstorbenen Frau zeigte. Sie hätte ihn zu den Spielen begleitet, wäre sie nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Steiner ist sicher ein wahrer Held für viele.
Aber was macht eigentlich einen Helden aus? Mal abgesehen von den sportlichen Überfliegern, denn die sind irgendwie Ausnahmen.

Zuerst muss man eine Situation haben, wo Helden benötigt werden. Ort und Zeit sind sehr wichtig. Ich würde zum Beispiel gerne ein Held werden, indem ich hier vor dem Computer herumlungere, aber da gibt es nichts Heldenhaftes, was ich tun könnte. Natürlich könnte ich das Nachbarhaus anzünden und dann die gesamte Familie retten, aber das hätte einen faden Beigeschmack. Irgendwie. Das ist also die erste Zutat. Wir brauchen eine nicht selbst verursachte Situation, die nach Helden ruft. Dann muss man noch selbstlos und vor allem schnell handeln, um sich Heldenprivilegien zu sichern. Im Klartext heißt dies, dass der Anruf bei der Feuerwehr aus sicherer Entfernung nicht ausreicht, um zum Helden zu werden. Man muss etwas opfern, sich für andere einsetzen, und zwar mehr als es üblich ist. Damit hätten wir die zweite Zutat. Jedoch fehlt noch eine letzter wichtiger Teil für die Helden-Saga: das Publikum. So könnte ich mich selbst zum Helden erklären, wenn ich morgens in den Spiegel grinse, weil ich finde, dass das Verlassen des warmen und kuscheligen Bettes, um eine kalte Dusche zu nehmen (sagen wir mal, dass es gerade kein warmes Wasser gäbe und ich ohne Dusche alle meine Kollegen bei der Arbeit mit fiesem Schweißgeruch zugrunde richten würde), schon ziemlich heldenhaft ist. Das erscheint aber noch leicht unbefriedigend. Selbst wenn meine Freundin neben mir jubeln würde, hätte ich noch das Gefühl, dass etwas fehle. Wenn nun aber 300 Fans vor dem Fenster applaudierten, dann wäre das schon eine andere Liga! Die dritte Zutat ist also ein Haufen Bewunderer, der dich anhimmelt. Ist das zu viel? Und du möchtest nicht warten, bis das nächste Haus brennt, um ein Held zu werden?

Dann gibt es noch eine geheime Zutat, die es viel einfacher macht, in den Club der wahren Helden zu kommen. Mitleid! Versuche, einem übergewichtigen und menschenfeindlichen Alkoholiker das Leben zu retten und es wird niemanden so wirklich interessieren. Traurig, aber wahr. Nun rette die Katze einer alten Dame und die Meute wird begeistert sein. Das ist nicht fair, aber menschlich. Füge etwas dramatische Musik hinzu, mache ein Video draus und zeige es in den frühen Abendstunden in der Glotze. Schon entsteht ein echter Held. Das Fernsehen und der Otto-Normalverbraucher haben die wahre Heldensaga demontiert. Kürzlich wurde noch ein Mundharmonika-Spieler in Deutschland zum Helden aufgebauscht. Er hatte einen schlimmen Unfall und verlor seinen Job. Er trat dann bei einer Talent-Show auf, spielte kitschige Musik auf der Mundharmonika und gewann, um anschließend einmal durch den Medien und Musikbusiness-Schlamm gezogen zu werden. Man wird ihn, sobald die Verkäufe runter gehen, fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Nicht, dass ich ihm den kurzlebigen Erfolg missgönne, aber manche würden ihn eher als ein Opfer beschreiben.

Wahre Helden sind vielleicht gar nicht so schwer zu finden. Ich kenne ein paar, die auch ohne Kameras, jubelnde Massen und brennende Häuser auskommen. Meine Superhelden arbeiten hart für ihre Liebsten, helfen auch ohne persönlichen Gewinn oder irgendwelchen Ruhm. All jene, die niemals daran denken würden, sich Helden zu nennen, und den Titel doch so sehr verdienen. Vielleicht bist du ja ein Held! Falls ja, lass es dir nicht zu Kopf steigen. Und bitte fang nicht an, Mundharmonika zu spielen. Es geht auch ohne.

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